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Für die eine Hälfte Deutschlands war er das mit dem Trabbi noch am ehesten zu erreichende „Fernziel“, für die andere die preiswerte Alternative zu Mallorca. Inzwischen teilt sich das vereinte Deutschland den größten Binnensee Europas als gemeinsame Badewanne. Für seine Beliebtheit sorgte die Natur. Mit nur drei Metern Tiefe hat die Sonne leichtes Spiel, den Balaton schnell zu erwärmen, und sein flach abfallendes Südufer empfiehlt sich als ungefährliches Planschparadies für die Jüngsten.
Entlang seiner Ufer geht es vor allem in der Saison überaus betriebsam zu. Dabei herrscht am Plattensee ausgleichende Gerechtigkeit – das Nordufer ist mit seinen Hügeln und Weinbergen landschaftlich attraktiver, dafür verfügt das Südufer über den schöneren Strand. Da die Uferlänge aber nicht mal 200 km beträgt, lässt sich problemlos beides genießen.
Als Hauptstadt des Balatons hat sich Keszthely etabliert. Sehenswert ist das Barockschloss derer von Festetics, zu dem die Fußgängerzone führt. Die Flaniermeile ist mit Cafes und (teuren) Geschäften bestens bestückt. Im Schloss selbst ist neben der originalen Inneneinrichtung vor allem die über 50.000 Bücher umfassende Bibliothek beeindruckend.
Nur wenige Kilometer von Keszthely entfernt, wartet Heviz mit eigenen Superlativen auf. Im gerade mal 5000 Einwohner zählenden Ort befindet sich das bekannteste Thermalbad Ungarns und der zweitgrößte Warmwassersee der Welt. Ein Bad im heißen Dunst des schwefelhaltigen Wassers sollte man sich als „Kur zwischendurch“ gönnen.
An der Nordseite hat sich Balatonfüred zum Ibiza Ungarns gemausert. Auf Mole und Basarabschnitt steppt in der Saison nonstop der Bär. Dennoch gibt es Fluchtmöglichkeiten – im alten Ortskern (drei km vom See) mit seinem historischen Zentrum und den vielen denkmalgeschützten Häusern geht es wesentlich geruhsamer zu. Sehenswert u.a. die Rundkirche an der Hauptstraße der Ufersiedlung, das Jokai-Museum mit vielen Dokumenten des bedeutenden Schriftstellers und der Heilwasser spendende Kossuth-Brunnen auf dem Kurplatz (Gyogy ter).
Von Balatonfüred aus ist es nur ein Katzensprung zur Halbinsel Tihany mit der gleichnamigen „Hauptstadt“. Ihr Wahrzeichen, die renovierte Abteikirche, gehört zu den bekanntesten Bauwerken ganz Ungarns. Von der Pisky-Promenade direkt neben der Abtei, bietet sich ein herrlicher Balaton-Blick. Typisch für Tihany sind die markanten Häuser im Folklorestil – schilfgedeckt und mit Säulen versehenen Verandaeingängen.
Am Südufer sollte man Siofok weder rechts noch links liegen lassen. Nicht minder lebhaft wie seine nördliche Schwester Füred, bietet es an Unterhaltung alles, was das Touristenherz begehrt. An Siofok als Geburtsort von Emmerich Kalman erinnert das örtliche Museum. Wer sich für ein Café entscheiden muss, hat ein echtes Problem – das Angebot ist riesig.

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